Impfung gegen Krebs? Neue Hoffnung von Biontech

Chemotherapie, Strahlen­behandlung, Operationen – bisher belasten Krebstherapien den Körper leider oft stark. Wie viel angenehmer wäre es hingegen, wenn ein einfacher Pieks in den Arm ausreichen könnte, um Krebs zu besiegen? Das Mainzer Unternehmen Biontech hat einen solchen Impfstoff entwickelt – und testet seit 18. Juni 2021 dessen Wirksamkeit in einer großen Studie. Hier erklären wir, wie das funktionieren soll.

Nach der Corona-Impfung – ein zweiter Durchbruch?

Auf diese Nachricht hat die ganze Welt gewartet: „Biontech-Impfung zu mehr als 90 Prozent wirksam” hieß die Meldung vom 9. November 2020. Nach einem ent­behrungs­reichen Jahr mit Lockdowns und Angst vor Ansteckung sahen die Menschen endlich Licht am Ende des Corona-Tunnels. Auch wenn mittlerweile weitere Impfstoffe gegen Corona zugelassen sind – das Vakzin aus Mainz bietet immer noch den besten Schutz, auch vor neuen Mutationen.

Doch ursprünglich gründeten Uğur Şahin und Özlem Türeci die Firma Biontech zu einem anderen Zweck: Sie wollten endlich Krebs besiegen – mit einer Impfung. Schon seit der Gründung 2008 forschen die Mitarbeiter an Immuntherapien gegen Krebs. Nun endlich wird der erste Impfstoffkandidat in einer Studie auf Wirksamkeit getestet. Er soll schwarzen Hautkrebs schonend behandeln.

Biontech überprüfte die Wirkung seines Krebs­impf­stoffes namens BNT111 zunächst im Labor. Weil er dort gute Ergebnisse zeigte, wurde er in der Phase I zum ersten mal mit Menschen getestet. Dabei stellte sich heraus, dass das Mittel gut vertragen wird. Nun werden in der Phase II 120 Patienten geimpft, die an schwarzem Hautkrebs leiden. Dabei beobachten die Wissen­schaftler, ob es dem Vakzin tatsächlich gelingt, den Krebs zu bekämpfen.

Schonender als Chemotherapie: das eigene Immunsystem

Mit der Biontech-Impfung wird das körpereigene Immunsystem dazu eingespannt, Tumore zu bekämpfen. So ist es möglich, Krebszellen wesentlich zielgerichteter zu beseitigen als mit Chemo- oder Strahlentherapie. Der große Vorteil ist, dass das Immunsystem auch einzelne Krebszellen findet, die sich nach einer Operation oder Bestrahlung womöglich noch im Körper befinden. So lässt sich verhindern, dass der Krebs erneut ausbricht – womöglich als sogenannte Metastase an einer gefährlicheren Stelle.

Bisher ist so eine körperweite Behandlung nur mittels Chemotherapie möglich. Diese hat jedoch unangenehme Begleit­erschei­nungen wie Haarausfall, Immunschwäche oder Funktionsstörungen verschiedener Organe.

„Unsere Impfstoffe sollen die Chemotherapie irgendwann überflüssig machen.“ Biontech-Gründer Uğur Şahin gegenüber dem Handelsblatt, Ausgabe 53, 16. März 2016

Damit das Immunsystem Krebs bekämpfen kann, muss es erstmal auf Krebszellen abgerichtet werden. Diese haben bestimmte Eiweiße auf ihrer Oberfläche, sogenannte Antigene, mit denen sie sich erkennen lassen. Mithilfe einer Impfung lassen sich dem Immunsystem solche Krebs­anti­gene präsentieren, damit es einen Tumor gezielt angreifen kann.

So funktioniert die Impfung gegen Krebs

Und so soll es in Zukunft funktionieren, Krebs mit einer einfachen Impfung zu bekämpfen:

  1. Zunächst wird das Erbgut der mutierten Krebszellen untersucht – bis Gene gefunden werden, die als Bauplan für die typischen Eiweiße an der Oberfläche dienen.
  2. Diese Gene werden in Form eines mRNA-Moleküls nachgebildet. So ein Molekül funktioniert wie ein Code, mit dem sich Krebsantigene nachbauen lassen.
  3. Das mRNA-Molekül wird mit einem Impfstoff in den Körper gespritzt.
  4. In den Körperzellen lesen die Ribosomen – die Ei­weiß­fabriken unseres Körpers – den mRNA-Code und setzen ihn in Krebsantigene um. Diese Eiweiße sind alleine ungefährlich.
  5. Diese Eiweiße lernt das Immunsystem nun kennen – und bildet Killerzellen, die dazu in der Lage sind, Krebszellen zu erkennen und abzutöten.

Der erste Impfstoffkandidat BNT111 enthält mRNA für eine Reihe von Antigenen, die für schwarzen Hautkrebs typisch sind. Dabei wird allen Patienten derselbe Impfstoff gespritzt. Tatsächlich gibt es jedoch von Tumor zu Tumor Unterschiede bei den Antigenen auf der Oberfläche. In Zukunft möchte Biontech sogar für einzelne Patienten maß­ge­schnei­derte Impfstoffe entwickeln, die präzise auf die jeweiligen Krebszellen zugeschnitten sind. So soll eine noch effektivere Therapie möglich werden.

Was ist mRNA?

Die Abkürzung mRNA steht für „messenger ribonucleic acid”, auf Deutsch „Boten-Ribonukleinsäure”. Dabei handelt es sich um ein langes Molekül, das sich aus vier verschiedenen Säuren zusammensetzt: Adenin, Guanin, Cytosin und Uracil. Je nachdem, in welcher Abfolge diese Säuren aneinandergereiht sind, ergeben sie einen bestimmten Code. Dieser Code lässt sich in bestimmte Eiweiße übersetzen – wie sie sich beispielsweise auf der Oberfläche von Krebszellen oder Coronaviren befinden.

Ist mRNA gefährlich?

Nein! MRNA kommt ganz natürlich in jeder einzelnen Körperzelle vor. Nachdem die mRNA aus der Impfung in Krebs-Eiweiße übersetzt wurde, wird sie bald in ihre einzelnen Säuren zerlegt. Aus diesen kann der Körper eigene mRNA-Stränge erstellen, um verschiedenste Gene in Eiweiße umzusetzen. Es ist nicht möglich, dass die mRNA das menschliche Erbgut verändert.

Wann ist die Impfung gegen Krebs verfügbar?

Wird Biontech nun nach dem Coronavirus ein weiteres großes Leiden der Menschheit besiegen? Das ist leider noch nicht sicher. So innovativ das Konzept der Krebsimpfung auch klingt – es muss erst noch bewiesen werden, dass es tatsächlich möglich ist, Krebs auf diese Weise zu bekämpfen. Doch selbst wenn die Studien zeigen, dass alles funktioniert, ist es noch ein weiter Weg. Anders als bei den Corona-Impfungen wird es wohl erst im Jahr 2023 Ergebnisse aus den Studien geben, wie gut die Impfung wirklich hilft. Und damit beginnt erst der Zu­lassungs­prozess, der notwendig ist, bevor der Impfstoff breit eingesetzt werden darf.

Bis dahin haben Krebspatienten nur die Möglichkeit, ihre Erkrankung mit konventionellen Methoden zu besiegen. Sowohl Operationen als auch Chemo- und Strahlentherapie können heutzutage selbst schwerere Formen von Krebs erfolgreich behandeln.

Krebstherapien können sich über einen langen Zeitraum hinziehen – in denen der Patient oft geschwächt ist und nicht arbeiten kann. Das Risiko, durch Krebs Einkommen zu verlieren oder zusätzliche Ausgaben zu haben, wird leider oft unterschätzt. Von daher raten wir zu einer privaten Absicherung für diesen Fall – beispielsweise mit der Krebs-Versicherung von Getsurance.

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