Beiträge in der Berufs­unfähigkeits­versicherung: Mit dem “falschen” Beruf zahlst du drauf

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Beiträge in der Berufs­unfähigkeits­versicherung: Mit dem “falschen” Beruf zahlst du drauf
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Vielleicht hast du auch schon davon gehört, dass die Beiträge zur Berufs­unfähigkeitsver­sicherung sehr unterschied­lich sind. Das hat einen einfachen Grund: Jeder Mensch hat ein ganz spezielles Risiko, einmal berufsunfähig zu werden. Dabei spielt dein Beruf neben anderen Faktoren eine große Rolle. Wir schauen hinter die Kulissen der Versicherer und erklären, wie sich dein Beitrag berechnet und welchen Einfluss dabei dein Beruf hat.

 

Das musst du wissen:
  • Deinen Beitrag zur Berufs­unfähigkeits­versicherung berechnen die Versicherer nach deinem Risiko, berufsunfähig zu werden. Es geht nach Alter, Vorerkrankungen und Beruf.
  • Die Versicherer unterteilen in bis zu sechs Berufs­gruppen bzw. Risiko­gruppen, in die jeder Beruf eingeordnet wird.
  • Pauschal gilt: Je härter du körperlich arbeitest, je öfter du mit Menschen bei der Arbeit zu tun hast und je mehr du auf Geschäfts­reisen bist, desto höher ist auch dein Beitrag zur BU-Versicherung.
  • Mache in jedem Fall einen Berufsunfähigkeits­versicherung-Vergleich, um die für dich beste BU zu finden.

Die Berufsunfähig­keitsver­sicherung (BU) ist eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Denn jeder vierte Erwerbstätige ist im Laufe seines Lebens von Berufs­unfähigkeit betroffen. Egal, ob Unfall oder eine schlimme Krankheit, die BU schützt dich mit einer monatlichen Rente vor den finanziellen Folgen.

Wie sich der Beitrag zusammensetzt

Der Beitrag in der Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) wird für jeden Versicherten nach individuellen Faktoren berechnet. Dabei hat die Höhe der versicherten Berufsunfähig­keitsrente Einfluss auf die Beiträge. Dazu kommen dein Alter und damit die Versicherungs­dauer, für die du Beiträge leistest. Weitere Faktoren sind Vorerkrankungen und Gewohnheiten wie zum Beispiel Rauchen. Großen Einfluss auf die Beitragshöhe und damit auf deine Berufsun­fähigkeits­versiche­rung Kosten hat auch dein ausgeübter Beruf. Es gibt Berufe, wie beispielsweise den des Archivars, bei dem du nur ein sehr geringes Risiko hast, einen Unfall oder eine Berufserkrankung zu erleiden. In anderen Berufen, wie bei einem Dachdecker, liegt das Risiko um ein Mehrfaches höher.

Risikoberechnung in der Versicherung generell

Die private Berufs­unfähigkeits­versicherung ist wie alle Versicherungen eine Solidar­gemeinschaft, in der sich die Versicherten gegenseitig bei der Bewältigung von Lebensrisiken unterstützen. Dabei soll es aber immer auch gerecht zugehen. Diesen Gedanken kennst du bereits von der Kfz-Versicherung. Dort werden die Schadens­häufigkeit, die PS-Anzahl und die Dauer der Unfallfreiheit berücksichtigt. Ähnlich arbeitet auch die Berufs­unfähigkeits­versicherung, in dem sie die individuellen Risiken in die Beiträge zur Berufsunfähig­keitsversicherung berechnet. Deinem Beruf mit seinem typischen Risikoprofil kommt dabei eine große Bedeutung zu.

Ein Viertel aller Versicherten wird berufsunfähig oder sogar erwerbsunfähig

Aktuare, so heißen die Versi­cherungs­mathematiker, lieben Statistiken und können gar nicht genug Zahlen auswerten. Diese beziehen sie von den Kranken- und Renten­versicherungsträgern sowie den statistischen Landesämtern und dem statischen Bundesamt. Aus diesen Zahlen und Fakten erstellen sie Auswertungen über das Risiko einer Berufsunfähigkeit für alle Berufe. Die finanziellen Folgen der Berufsun­fähigkeit sind gravierend. Betroffene beziehen dann oft nur noch eine gesetzliche Erwerbsminderungs­rente, die im Durchschnitt bei rund 750 Euro und damit unterhalb des Hartz IV-Satzes mit Wohngeld liegt.

berufsunfaehigkeitsversicherung abschließen

Private Berufsunfähigkeits­versicherung ist notwendig, weil es keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente mehr gibt

Einen Schutz vor dem Risiko der Berufsunfähigkeit durch die gesetzliche Rentenversicherung wurde für alle gestrichen, die nach dem 2. Januar 1961 geboren wurden. Später Geborene erhalten also keine gesetzliche Berufs­unfähig­keitsrente mehr. Aus diesem Grund ist die private Berufs­unfähigkeits­versicherung notwendig.

Nicht zu verwechseln ist übrigens die Berufsunfähigkeit mit der Erwerbs­unfähigkeit. Erwerbsun­fähig bist du, wenn du nicht mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kannst. Von Arbeits­unfähigkeit sprechen Experten, wenn du vorüber­gehend nicht arbeiten kannst, aber nach spätestens sechs Monaten völlig geheilt bist. Wenn du eine Berufs­unfähigkeits­versicherung abschließen willst und aufgrund einer Vorerkrankung, die du bei den Gesundheitsfragen angeben musst (eine Berufsun­fähigkeitsver­sicherung ohne Gesund­heits­fragen gibt es nicht), keine BU erhälst, könntest du eine Erwerbs­unfähigkeits­versicherung abschließen. Sie ist günstig in den Kosten, deckt aber auch nicht dein komplettes finanzielles Risiko ab. Weitere Risikover­sicherungen, die du in diesem Fall in Erwägung ziehen könntest, sind eine Grundfähig­keitsver­sicherung, eine Lebensver­sicherung, eine Unfallver­sicherung oder eine Kapital­versicherung.

Berufe mit körperlicher Arbeit in Risiko­umgebung zahlen am meisten

Die Wahrscheinlichkeit für einen 20-Jährigen, bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren voll erwerbs- und berufstätig zu sein, liegt bei nur 60 Prozent. Umgekehrt bedeutet dies, dass 40 Prozent aller jungen Leute vor dem regulären Rentenalter berufsunfähig werden. In bestimmten Berufsgruppen ist das Risiko sogar noch deutlich höher. Bei den Dachdeckern erreichen nur 48 Prozent das reguläre Renteneintrittsalter.

Allerdings gibt es viele Berufe mit einem deutlich geringeren Risiko. Generell haben akademische Berufe ein günstiges Risikoprofil. Ausnahmen bilden hier die Fachgebiete, die mit Maschinen und Anlagen zu tun haben, wie etwa bei Chemikern und Maschinenbauern. Alle “Kopfarbeiter” wie Juristen und Volkswirte haben ebenfalls nur ein geringes Risiko, berufsunfähig zu werden. Ein etwas größeres Risiko gehen Arbeitnehmer und Selbständige ein, die öfter mit Menschen zu tun haben. Und wer bereits leichte körperliche Arbeiten verrichtet wie etwa Verkäufer, Erzieher oder Friseure hat wiederum ein höheres Risiko.

Diese Einteilung setzt sich fort für Berufsgruppen, deren Angehörige schwere körperliche Arbeiten ausführen und einem höheren Gefährdungspotenzial ausgesetzt sind. Dazu zählen etwa Alten- und Krankenpfleger, Bauarbeiter, Zeitsoldaten, Drucker und Elektriker. Noch gefährdeter sind Dachdecker. In der letzten Berufsgruppe mit dem höchsten Risikoprofil finden sich Schauspieler und fliegendes Personal.

Versicherer teilen Berufe in unter­schiedliche Berufsgruppen ein, die wiederum mit verschiedenen Risiken verknüpft sind. In unserer Liste mit den Berufsunfähigkeitsversicherung-Berufsgruppen zeigen wir dir eine grobe Unterteilung:

Berufsunfähigkeitsversicherung-Berufsgruppen Tätigkeiten
Gruppe 1
(geringes BU-Risiko)
Hochqualifizierte Berufe mit geringen Risiken: Dazu zählen beispielsweise Betriebs- und Volkswirte, Ärzte und Apotheker, Richter, Anwälte, Ingenieure
Gruppe 2
(mittleres BU-Risiko)
Kaufmännische Berufe mit verwaltenden Aufgaben, einer Bürotätigkeit sowie wenig körperlicher Arbeit: Bank-, Büro-, Einzelhandelskaufleute, Chemiker, Controller, Sekretäre, Heilpraktiker, IT-Experten, Zahnärzte
Gruppe 3
(mittleres BU-Risiko)
Berufe mit körperlicher Arbeit: Handelsvertreter, Immobilienmakler, Verkäufer, Bautechniker, Autoverkäufer, Erzieher, Friseure, Journalisten, Lehrer, Techniker
Gruppe 4
(hohes BU-Risiko)
Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit sowie höherem Gefahrenpotential: Zugführer, Köche, Metzger, Alten- und Krankenpfleger, Bauarbeiter, Zeitsoldaten, Elektriker, Feinmechaniker, Installateure, Maler, Schreiner, Bäcker, Taxifahrer
Gruppe 5
(sehr hohes BU-Risiko)
Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit und hohem Gefahrenpotential wie Gerüstbauer und Dachdecker
Gruppe 6
(höchstes BU-Risiko)
Berufe mit höchstem Gefahrenpotenzial: Gerichtsvollzieher, Detektive, Fitnesstrainer, Kameraleute, fliegendes Personal, Fotografen, Musiker, Schauspieler, Tanzlehrer, Taucher und Croupiers

Du siehst, dass zum Beispiel Ärzte zu der Gruppe mit einem niedrigen Risiko gehören. Trotzdem ist eine Berufsun­fähigkeits­versicherung für Ärzte durchaus sinnvoll. Warum das so ist, erklären wir dir in unserem Ratgeber­artikel.

So wirkt sich der Beruf auf den Beitrag zur Berufsunfähigkeits­versicherung aus

Wir wollen in der folgenden Tabelle zeigen, wie sich verschiedene Berufe mit ihren unterschied­lichen Risiko­profilen konkret auf die Beitragshöhe zur Berufs­unfähigkeits­versicherung auswirken.

Dafür haben wir zehn Modellkunden definiert und über einen unabhängigen Versicherungsrechner die Tarife von den wichtigsten Anbietern verglichen.

Alle Modellkunden erfüllen folgende Kriterien:

  • Nichtraucher
  • Kerngesund
  • Versicherungsbeginn: 1. November 2016
  • Versicherungssumme der Berufsunfähigkeitsrente: 1.000 Euro
  • Versicherungsende: 67 Jahre

Wir haben in unsere Auswahl nur Versicherungsanbieter und Tarife aufgenommen, die bei der Rating-Agentur Morgen & Morgen fünf Sterne erhalten. In dieser besten Kategorie für Tarife verzichten die Versicherer auf die abstrakte Verweisung und zahlen auch rückwirkend ab dem ersten Tag der Berufsunfähigkeit; sie gelten auch weiter bei beruflich bedingten Auslands­tätigkeiten. Zur abstrakten Verweisung musst du wissen, dass Versicherer dich bei Berufsunfähigkeit auf einen anderen Beruf verweisen können, wenn du als fit genug eingestuft wirst.

Unsere Modellkunden, ihr Alter und ihre Berufe:

  • Tom: 20, BWL-Student
  • Andi: 25, Betriebswirt mit 100 Prozent Bürotätigkeit
  • Heike: 20, Bauschreiner, 10 Prozent Bürotätigkeit
  • Anke: 20, Flugbegleiterin
  • Helen: 20, Lehramtsstudentin für Gymnasium
  • Anette: 25, Lehrerin für Gymnasium, Sekundarstufe II
  • Henry: 25, Elektriker
  • Otto: 25, Kameramann
  • Ulf: 25, Gerüstbauer
  • Babsi: 25, Einzelhandelskauffrau
Versicherung Tarif Tom Andi Heike Anke Helen Anette Henry Otto Ulf Babsi
Basler Versicherungen Basler BP 334,73€ 376,01€ 1.498,40€ 856,99€ 1.067,75€ 2.422,40€ 693,05€
ERGO BUV316010Z 348,21€ 382,63€ 842,22€ 670,93€
Allianz BUPlus EO 366,20€ 522,16€ 1.189,50€ 1.121,86€ 1.842,19€ 739,09€
die Bayerische BU PROTECT Komfort 383,04€ 426,87€ 906,02€ 1.092,25€
Gothaer BU15T Premium 383,30€ 733,50€ 1.174,60€ 494,70€ 553,50€ 909,60€ 1.939,60€ 733,50€
Nürnberger SBU2800C 406,26€ 668,44€ 1.036,84€ 668,45€
Swiss Life SBU 4U plus 426,94€ 495,71€
Hanse Merkur SBU 2015 M 431,64€ 456,23€ 1.565,82€ 1.074,90€ 1.477,01€ 2.709,39€ 729,92€
Barmenia SoloBU 445,57€ 500,79€ 1.126,97€ 507,50€ 572,37€ 899,28€ 1.230,76€ 2.049,43€ 818,69€
AXA ALVSBV, BG 449,23€ 408,79€ 1.035,70€ 975,58€ 767,19€
Continentale B1, BUV Premium 456,69€ 508,00€ 1.607,08€ 916,90€ 1.760,87€ 662,97€
HDI EGO Top BV15 469,59€ 455,21€ 1.280,70€ 968,61€ 2703,67€ 630,19€
Alte Leipziger SecurAL LBV10 mit AU 497,74€ 504,04€ 806,62€ 806,62€
DEVK N BU 498,92€ 1.284,55€ 1.914,55€ 620,41€ 698,46€ 1.119,62€ 2.119,33€ 782,42€
R+V BV 479,86€ 786,48€ 1.171,00€ 632,90€ 715,92€ 1.115,10€ 1.332,12€ 1.896,97€ 957,91€

*Abfrage im August 2016. Für DeBeKa und HUK konnten keine Ergebnisse ermittelt werden.
In der Tabelle siehst du, dass unser Student Tom sehr günstige Tarife bekommt. Bei Bauschreinerin Heike siehst du, wie die Tarife hochgehen, wenn harte körperliche Arbeit gefragt ist. Unsere Flugbegleiterin Anke erhält nur von einer Versicherung überhaupt ein Angebot. Elektriker Henry ist in seinem Beruf großen Gefahren ausgesetzt, was sich in einer deutlich höheren Prämie niederschlägt.

Wenn du dir die Tabelle mit den Berufsgruppen genau ansiehst, erkennst du, dass nicht alle Versicherer für alle Berufe eine Risikoversicherung mit BU-Rente anbieten. Auf einen ergänzenden Vergleich mit einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ-Versicherung) haben wir für die bessere Vergleichbarkeit der Tarife verzichtet. Denn die BUZ-Versicherung ist ein Koppelprodukt, das mit einer Risikolebensversicherung oder einem Altersvorsorgeprodukt, wie einer Rürup-Rente, verbunden ist. Ebenfalls ausgeschlossen haben wir in unserem Vergleich die Berufs­unfähigkeits­versicherung ohne Gesundheitsprüfung. Diese sind nicht zu empfehlen. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten bieten einige Versicherer Einstiegstarife, die in den ersten fünf bis zehn Jahren günstiger sind, die wir ebenfalls nicht berücksichtigt haben.

Recherchiere einen Preisvergleich, nutze Versicherungs­rechner und Finanztest

Wichtig ist auf jeden Fall für dich, dass du deinen ganz individuellen Versi­cherungs­vergleich anstellst. Denn nur so findest du die für dich beste Berufs­unfähigkeits­versicherung. Einen guten Einstieg in die Recherche bietet dir dafür Stiftung Warentest, die regelmäßig Tarife und Versicherer testet. Bei der Berufs­unfähig­keitsrente solltest du die Höhe zunächst bei 1.000 Euro ansetzen. Wichtig ist, dass du eine Nachversi­cherungs­garantie hast und deine Rente wegen Berufsunfähigkeit später aufstocken kannst, wenn du auch höhere Beiträge zahlen kannst.

Häufige Fragen

  • Was gilt bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Beamte?

    Beamte und Beamtenanwärter sollten in jedem Fall ebenso wie Angestellte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Bei Beamten heißt die BU jedoch Dienstun­fähigkeits­versicherung. Als Beamter musst du vor allem auf die Beamtenklausel, auch Dienst­unfähig­keitsklausel genannt, achten. In unserem Ratgeber findest du einen ausführlichen Bericht über die Dienstunfähigkeitsversicherung für Beamte.
  • Sind die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung steuerlich absetzbar?

    Bis zu einer bestimmten Höhe sind die Beiträge steuerlich absetzbar. Bei der Berufsunfähigkeitsrente in der Steuer gilt es zu beachten, dass die Berufs­unfähigkeits­versicherung auch in der Auszahlung wie normales Einkommen zu dem individuellen Steuersatz zu versteuern ist. Die Leistungen der Berufsunfähigkeits­versicherung sind also nicht steuerfrei und werden den sonstigen Einkünften hinzugerechnet. Über die Behandlung der Berufsun­fähigkeits­versicherung bei den Beiträgen und in der Auszahlung hat mein Kollege Hans Frießem einen Artikel über „Die Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuererklärung absetzen – so geht’s“ geschrieben.

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