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Berufs­unfähigkeits­versicherung: Hohe Beiträge wegen “falschem” Beruf?

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Vielleicht hast du auch schon davon gehört, dass bei der Berufs­unfähigkeitsver­sicherung die Beiträge sehr unterschied­lich sind. Das hat einen einfachen Grund: Jeder Mensch hat ein ganz spezielles Risiko, einmal berufsunfähig zu werden. Dabei spielt dein Beruf neben anderen Faktoren eine große Rolle. Wir schauen hinter die Kulissen der Versicherer und erklären, wie sich dein Beitrag berechnet und welchen Einfluss dabei dein Beruf hat.

Das musst du wissen:
  • Deinen Beitrag zur Berufs­unfähigkeits­versicherung berechnen die Versicherer nach deinem Risiko, berufsunfähig zu werden. Dies hängt von Alter, Vorerkrankungen und Beruf ab.
  • Pauschal gilt: Je härter du körperlich arbeitest, desto höher ist auch dein Beitrag zur BU-Versicherung.
  • Mache in jedem Fall einen Berufsunfähigkeits­versicherungs-Vergleich, um die für dich beste BU zu finden.

Die Berufsunfähig­keitsver­sicherung (BU) ist eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Denn jeder vierte Erwerbstätige ist im Laufe seines Lebens von Berufs­unfähigkeit betroffen. Egal, ob Unfall oder eine schlimme Krankheit, die BU schützt dich mit einer monatlichen Rente vor den finanziellen Folgen.

Risikoberechnung in der Versicherung generell

Die private Berufs­unfähigkeits­versicherung ist wie alle Versicherungen eine Solidar­gemeinschaft, in der sich die Versicherten gegenseitig bei der Bewältigung von Lebensrisiken unterstützen. Dabei soll es aber immer auch gerecht zugehen. Diesen Gedanken kennst du bereits von der Kfz-Versicherung. Dort werden die Schadens­häufigkeit, die PS-Anzahl und die Dauer der Unfallfreiheit berücksichtigt. Ähnlich arbeitet auch die Berufs­unfähigkeits­versicherung, in dem sie die individuellen Risiken bei der Berufsunfähig­keitsversicherung in die Beiträge einberechnet. Deinem Beruf mit seinem typischen Risikoprofil kommt dabei eine große Bedeutung zu. Diese Risiko­berech­nung kann sogar dazu führen, dass du bei der Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung abge­lehnt wirst, bei­spiels­weise wegen Vor­erkran­kungen.

Wie sich bei der Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung die Beiträge zusammensetzen

Der Beitrag in der Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) wird für jeden Versicherten nach individuellen Faktoren berechnet. Dabei hat die Höhe der versicherten Berufsunfähig­keitsrente Einfluss auf die Beiträge. Dazu kommen dein Alter und damit die Versicherungs­dauer, für die du Beiträge leistest. Weitere Faktoren sind Vorerkrankungen und Gewohnheiten wie zum Beispiel Rauchen. Großen Einfluss auf die Beitragshöhe und damit auf deine Berufsun­fähigkeits­versiche­rung Kosten hat auch dein ausgeübter Beruf. Es gibt Berufe, wie beispielsweise den des Archivars, bei dem du nur ein sehr geringes Risiko hast, einen Unfall oder eine Berufserkrankung zu erleiden. In anderen Berufen, wie bei einem Dachdecker, liegt das Risiko um ein Mehrfaches höher.

Viele An­bie­ter erheben bei ihrer Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung auf die Bei­träge einen Extra-Zu­schlag, wenn der Kun­de bereits krank war. Bei der Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung Get­surance Job ist dies jedoch nicht so: Sie ver­langt von Men­schen mit Vor­erkran­kungen keine Risiko­zuschlä­ge.

Berufe mit körperlicher Arbeit in Risiko­umgebung zahlen am meisten

Die Wahrscheinlichkeit für einen 20-Jährigen, bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren voll erwerbs- und berufstätig zu sein, liegt bei nur 60 Prozent. Umgekehrt bedeutet dies, dass 40 Prozent aller jungen Leute vor dem regulären Rentenalter berufsunfähig werden. In bestimmten Berufsgruppen ist das Risiko sogar noch deutlich höher. Bei den Dachdeckern erreichen nur 48 Prozent das reguläre Renteneintrittsalter.

Allerdings gibt es viele Berufe mit einem deutlich geringeren Risiko. Generell haben akademische Berufe ein günstiges Risikoprofil. Ausnahmen bilden hier die Fachgebiete, die mit Maschinen und Anlagen zu tun haben, wie etwa bei Chemikern und Maschinenbauern. Alle “Kopfarbeiter” wie Juristen und Volkswirte haben ebenfalls nur ein geringes Risiko, berufsunfähig zu werden. Ein etwas größeres Risiko gehen Arbeitnehmer und Selbständige ein, die öfter mit Menschen zu tun haben. Und wer bereits leichte körperliche Arbeiten verrichtet wie etwa Verkäufer, Erzieher oder Friseure hat wiederum ein höheres Risiko.

Diese Einteilung setzt sich fort für Berufsgruppen, deren Angehörige schwere körperliche Arbeiten ausführen und einem höheren Gefährdungspotenzial ausgesetzt sind. Dazu zählen etwa Alten- und Krankenpfleger, Bauarbeiter, Zeitsoldaten, Drucker und Elektriker. Noch gefährdeter sind Dachdecker. In der letzten Berufsgruppe mit dem höchsten Risikoprofil finden sich Schauspieler und fliegendes Personal.

Versicherer teilen Berufe in unter­schiedliche Berufsgruppen ein, die wiederum mit verschiedenen Risiken verknüpft sind. In unserer Liste mit den Berufsunfähigkeitsversicherung-Berufsgruppen zeigen wir dir eine grobe Unterteilung:

Berufsunfähigkeitsversicherung-Berufsgruppen Tätigkeiten
Gruppe 1
(geringes BU-Risiko)
Hochqualifizierte Berufe mit geringen Risiken: Dazu zählen beispielsweise Betriebs- und Volkswirte, Ärzte und Apotheker, Richter, Anwälte, Ingenieure
Gruppe 2
(mittleres BU-Risiko)
Kaufmännische Berufe mit verwaltenden Aufgaben, einer Bürotätigkeit sowie wenig körperlicher Arbeit: Bank-, Büro-, Einzelhandelskaufleute, Chemiker, Controller, Sekretäre, Heilpraktiker, IT-Experten, Zahnärzte
Gruppe 3
(mittleres BU-Risiko)
Berufe mit körperlicher Arbeit: Handelsvertreter, Immobilienmakler, Verkäufer, Bautechniker, Autoverkäufer, Erzieher, Friseure, Journalisten, Lehrer, Techniker
Gruppe 4
(hohes BU-Risiko)
Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit sowie höherem Gefahrenpotential: Zugführer, Köche, Metzger, Alten- und Krankenpfleger, Bauarbeiter, Zeitsoldaten, Elektriker, Feinmechaniker, Installateure, Maler, Schreiner, Bäcker, Taxifahrer
Gruppe 5
(sehr hohes BU-Risiko)
Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit und hohem Gefahrenpotential wie Gerüstbauer und Dachdecker
Gruppe 6
(höchstes BU-Risiko)
Berufe mit höchstem Gefahrenpotenzial: Gerichtsvollzieher, Detektive, Fitnesstrainer, Kameraleute, fliegendes Personal, Fotografen, Musiker, Schauspieler, Tanzlehrer, Taucher und Croupiers

Du siehst, dass zum Beispiel Ärzte zu der Gruppe mit einem niedrigen Risiko gehören. Trotzdem ist eine Berufsun­fähigkeits­versicherung für Ärzte durchaus sinnvoll. Nicht alle Ver­sicherer be­nutzen kon­krete Berufs­bezeich­nungen, um für die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung die Bei­träge zu be­stimmen. Bei Get­surance Job z.B. musst du nur den An­teil der kör­per­lichen Arbeit an deinem Beruf an­geben – da­durch wird der An­trag deut­lich trans­parenter. Außer­dem bietet Get­surance auch für Men­schen mit kör­per­lich an­strengen­den Berufen eine be­zahl­bare Ab­siche­rung.

So wirkt sich der Beruf auf den Beitrag zur Berufsunfähigkeits­versicherung aus

Wir wollen in der folgenden Tabelle zeigen, wie sich verschiedene Berufe mit ihren unterschied­lichen Risiko­profilen konkret auf die Beitragshöhe zur Berufs­unfähigkeits­versicherung auswirken.

Dafür haben wir zehn Modellkunden definiert und über einen unabhängigen Versicherungsrechner die Tarife von den wichtigsten Anbietern verglichen.

Alle Modellkunden erfüllen folgende Kriterien:

  • Nichtraucher
  • Kerngesund
  • Versicherungsbeginn: 1. Oktober 2017
  • Versicherungssumme der Berufsunfähigkeitsrente: 1.000 Euro
  • Versicherungsende: 65 Jahre

Wir haben in unsere Auswahl nur Versicherungsanbieter und Tarife aufgenommen, die bei der Rating-Agentur Morgen & Morgen fünf Sterne erhalten. In dieser besten Kategorie für Tarife verzichten die Versicherer auf die abstrakte Verweisung und zahlen auch rückwirkend ab dem ersten Tag der Berufsunfähigkeit; sie gelten auch weiter bei beruflich bedingten Auslands­tätigkeiten. Zur abstrakten Verweisung musst du wissen, dass Versicherer dich bei Berufsunfähigkeit auf einen anderen Beruf verweisen können, wenn du als fit genug eingestuft wirst.

Unsere Modellkunden, ihr Alter und ihre Berufe:

  • Tom: 25, Betriebswirt (100% Büro­tätig­keit)
  • Heike: 25, Lehrerin (80% Büro­tätig­keit)
  • Moritz: 25, Schrei­ner (10% Büro­tätig­keit)

Maximale, monatliche BU-Beiträge für unterschiedliche Berufsgruppen (Stand: 09/2017)

Versicherung Tarif Tom Heike Moritz
Basler Ver­siche­rungen Basler SBU 37,15 € 131,26 €
ERGO BUV317010Z 51,23 € 87,31 € 130,09 €
Allianz BUPlus 42,84 € 136,34 € 186,52 €
die Bayerische BU PROTECT Komfort 46,61 € 135,66 €
Getsurance Job mit Psyche 31,34 € 45,27 € 107,44 €
Getsurance Job Start 4,97 € 6,75 € 19,47 €
Nürnberger Comfort-BU SBU2900C 57,87 € 58,91 € 109,20 €
Hanse Merkur Profi Care 44,13 € 172,09 €
Alte Leipziger SecurAL BV10 46,44 € 131,96 €

*Quelle: Berechnungen von Getsurance, Stand: 09/2017

In der Tabelle siehst du, dass unser Betriebs­wirt Tom sehr günstige Tarife bekommt. Bei Schreiner Moritz siehst du, wie für eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung die Bei­träge steigen, wenn harte körperliche Arbeit gefragt ist. Unsere Leh­rerin Heike liegt von den Bei­trägen her zwischen den Männern, auch wenn sich nicht für alle An­bieter Preise ermitteln ließen.

Wenn du dir die Tabelle mit den Berufsgruppen genau ansiehst, erkennst du, dass nicht alle Versicherer für alle Berufe eine Risikoversicherung mit BU-Rente anbieten. Auf einen ergänzenden Vergleich mit einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ-Versicherung) haben wir für die bessere Vergleichbarkeit der Tarife verzichtet. Denn die BUZ-Versicherung ist ein Koppelprodukt, das mit einer Risikolebensversicherung oder einem Altersvorsorgeprodukt, wie einer Rürup-Rente, verbunden ist. Ebenfalls ausgeschlossen haben wir in unserem Vergleich die Berufs­unfähigkeits­versicherung ohne Gesundheitsprüfung. Diese sind nicht zu empfehlen. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten bieten einige Versicherer Einstiegstarife, die in den ersten fünf bis zehn Jahren günstiger sind, die wir ebenfalls nicht berücksichtigt haben.

Recherchiere einen Preisvergleich, nutze Versicherungs­rechner und Finanztest

Wichtig ist auf jeden Fall für dich, dass du deinen ganz individuellen Versi­cherungs­vergleich anstellst. Denn nur so findest du die für dich beste BU. Einen guten Einstieg in die Recherche bietet dir dafür Stiftung Warentest, die regelmäßig Tarife und Versicherer testet. Bei der Berufs­unfähig­keitsrente solltest du die Höhe zunächst bei 1.000 Euro ansetzen. Wichtig ist, dass du eine Nachversi­cherungs­garantie hast und deine Rente wegen Berufsunfähigkeit später aufstocken kannst, wenn du für deine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung auch höhere Beiträge zahlen kannst.

Häufige Fragen

  • Was gilt bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Beamte?

    Beamte und Beamtenanwärter sollten in jedem Fall ebenso wie Angestellte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Für Beamte gibt es als beson­dere BU die Dienstun­fähigkeits­versicherung. Diese bein­haltet eine Beamtenklausel, auch Dienst­unfähig­keitsklausel genannt. Eine BU mit so einer Klausel ist je­doch teu­rer als eine nor­male BU und nur be­dingt sinn­voll. In unserem Ratgeber findest du einen ausführlichen Bericht über die Dienstunfähigkeitsversicherung für Beamte.
  • Sind die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung steuerlich absetzbar?

    Bis zu einer bestimmten Höhe sind die Beiträge steuerlich absetzbar. Bei der Berufsunfähigkeitsrente in der Steuer gilt es zu beachten, dass die Berufs­unfähigkeits­versicherung auch in der Auszahlung wie normales Einkommen zu dem individuellen Steuersatz zu versteuern ist. Die Leistungen der Berufsunfähigkeits­versicherung sind also nicht steuerfrei und werden den sonstigen Einkünften hinzugerechnet. Über die Behandlung der Berufsun­fähigkeits­versicherung bei den Beiträgen und in der Auszahlung hat mein Kollege Hans Frießem einen Artikel über „Die Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuererklärung absetzen – so geht’s“ geschrieben.
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