Burnout – körperliche Symptome: Überblick und Tipps

Beim Burnout-Syndrom denken die meisten Menschen zunächst an die psychischen Auswirkungen, dabei bringt ein Burnout körperliche Symptome mit sich, die ebenso ernst genommen werden sollten. Welche das sind, bei welchen Anzeichen du hellhörig werden solltest und vor allem, inwieweit sie sich bei Männern und bei Frauen unterscheiden können, erklären wir dir hier.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie äußert sich ein Burnout?
  2. Diese körperlichen Symptome sind typisch bei einem Burnout
  3. Sieht ein Burnout bei Männern und Frauen unterschiedlich aus?
  4. Wann solltest du zum Arzt gehen?
  5. Burnout: Eine Sorge weniger
  6. Achtsam sein und Burnout an körperlichen Symptomen frühzeitig erkennen
  7. Häufige Fragen zum Thema Burnout

Wie äußert sich ein Burnout?

Die Auswirkungen eines Burnouts sind insgesamt unspezifisch und können von Person zu Person variieren. Zudem gibt es bei Männern und Frauen diverse Unterschiede. Die meisten Betroffenen klagen aber über dauernde Müdigkeit und ein anhaltendes Gefühl der Erschöpfung und Überforderung. Selbst bei engagierten Mitarbeitenden, die an ihrem Job eigentlich Freude haben, lässt sich ein Leistungsabfall beobachten, und häufig erfolgt ein allmählicher Rückzug von Freunden und Familie. Zudem bringt ein Burnout körperliche Symptome mit sich, die viele Menschen instinktiv erst einmal nicht auf ihre psychische Verfassung zurückführen.

Diese körperlichen Symptome sind typisch bei einem Burnout

Es können beim Burnout körperliche Symptome ganz unterschiedlicher Natur auftreten, allerdings ist eine einzelne Person selten von allen Symptomen betroffen. Zu den typischen körperlichen Beschwerden im Rahmen eines Burnouts gehören etwa

  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Rücken- und Nackenschmerzen
  • Kieferschmerzen (vor allem durch nächtliches Zähneknirschen)
  • Schwindelgefühl
  • starkes Schwitzen
  • Atembeschwerden
  • Herzbeschwerden
  • Bluthochdruck
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Verdauungsstörungen (Durchfall, Verstopfung, Magenschmerzen, Übelkeit)
  • Veränderungen an der Mundschleimhaut, die leichter auf säurehaltige Nahrungsmittel gereizt reagiert
  • Zyklusstörungen und Unterleibsschmerzen bei Frauen

Die meisten Menschen vermuten, dass derartige körperliche Beeinträchtigungen Anzeichen für eine andere Erkrankung sind – die Wenigsten führen Verdauungsstörungen direkt auf ihre psychische Verfassung zurück. Gerade deshalb ist es wichtig, dass du diese Möglichkeit immer im Hinterkopf behältst: Bei vielen Menschen wird ein Burnout nur durch Zufall entdeckt, nachdem sie sich beispielsweise wegen des Verdachts auf Herzerkrankungen an einen Arzt oder eine Ärztin wenden. So kann die Burnout-Gefahr bei dir früh erkannt werden, sodass du die passende Behandlung erhältst.

Der Grund, weshalb sich die psychische Gesundheit und die Darmgesundheit gegenseitig beeinflussen, liegt in der sogenannten Darm-Hirn-Achse. Dabei handelt es sich um Nervenbahnen, die Gehirn und Darm miteinander verbinden und so Botenstoffe, wie das Glückshormon Serotonin, austauschen. Ein verstimmter Magen kann deshalb auch auf die Psyche schlagen.

Sieht ein Burnout bei Männern und Frauen unterschiedlich aus?

Oben hast du bereits gesehen, dass bei Burnout die körperlichen Symptome auch Zyklusstörungen bei Frauen umfassen können. Frauen sind es auch, die häufiger an Rücken- und Schulterschmerzen leiden. Zudem neigen sie dazu, die Schuld an Fehlern oder Verfehlungen eher bei sich selbst als bei anderen Menschen zu suchen. Darüber hinaus liegt die Ursache eines Burnouts, besonders bei Frauen, oft in der doppelten Belastung durch Beruf und Familie.

Das “Rushing Women Syndrome

Die australische Wissenschaftlerin Dr. Libby Weaver hat sich mit den Auswirkungen von Dauerstress bei Frauen befasst und den Begriff „Rushing Women Syndrom“ dafür geprägt. Es umfasst Progesteronmangel (der sich in Gewichtszunahme, Ängsten und Niedergeschlagenheit ausdrückt), Zyklusprobleme, Empfängnisprobleme und Wassereinlagerungen. Verdauungsbeschwerden und Probleme mit der Schilddrüse treten häufiger auf, ebenso Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und der Hang zu Genuss- oder Suchtmitteln wie Kaffee, Nikotin und Alkohol.

Männer hingegen, die unter derselben Ausschüttung des Stresshormons leiden, richten in mehr Fällen die dadurch entstehende Aggression nach außen. Bei ihnen kommt es leichter vor, dass sie stark reizbar sind und die Schuld an Fehlern eher bei Anderen suchen. Zudem ist zu beobachten, dass sie häufiger Zuflucht im Alkohol und in anderen Suchtmitteln suchen (obwohl dieses Verhalten auch bei Frauen auftritt). Außerdem können bei Männern auch sexuelle Funktionsstörungen auftreten – ein weiterer Faktor, der den Stress verstärkt, sodass ein Teufelskreis entsteht.

burnout männer frauen

Wann solltest du zum Arzt gehen?

Wenn du an Schlafstörungen leidest, die insgesamt mehr als vier Wochen am Stück anhalten, solltest du auf jeden Fall einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Die andauernde Müdigkeit beeinträchtigt nicht nur deine Arbeit, sondern ist auch ein Risikofaktor: Deine Reflexe sind nicht so schnell wie sonst, und es kommt schneller zu Unfällen.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass du auf deinen Körper achtest: Treten Beschwerden auf, die du ansonsten nicht hast und die du dir nicht erklären kannst, ist immer ein Gang in die Praxis angebracht. Du hast das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist? Weise bei der Untersuchung darauf hin, dass du an Stress leidest und wie lange dieser Zustand schon andauert. Eine Blutuntersuchung kann zeigen, ob deine Beschwerden eine körperliche Ursache haben oder ob sie durch Stress ausgelöst werden und sich ein Burnout samt körperlichen Symptomen bei dir ankündigt.

Ein wichtiger Hinweis für dich selbst ist auch, wenn du bemerkst, dass dir eigentlich wichtige Aspekte deines Lebens immer gleichgültiger werden. Hast du ursprünglich deinen Job gern gemacht und deine Freizeit zwischen Hobbies und deinen Liebsten aufgeteilt, kannst dies nun aber nicht mehr und ziehst dich mehr und mehr zurück, solltest du das als Alarmsignal betrachten.

Im Bedarfsfall wirst du von deiner Hausarztpraxis an Psychotherapeut:innen oder Fachärzt:innen für Neurologie überwiesen. Hier erhältst du die passende Therapie und gegebenenfalls die richtigen Medikamente. Das ist wichtig, denn ab einem bestimmten Punkt ist das Risiko hoch, dass eine Depression entsteht.

Burnout: Eine Sorge weniger

Die Genesung nach einem Burnout kann lange dauern. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Betroffenen ihn nicht frühzeitig richtig einordnen, weil der Burnout körperliche Symptome mit sich bringt, die auf andere Krankheiten verweisen. Je länger der Zustand der Erschöpfung aber andauert, desto länger dauert im Normalfall auch die Therapie.

Wichtig ist auf den Körper zu hören und einen angehenden Burnout möglichst zu vermeiden. Zur Prävention von Burnout gibt es verschiedene Maßnahmen. Wir haben dir 10 Tipps in diesem Artikel zusammengefasst.

Getsurance bietet eine weitere Vorsorge-Möglichkeit: die Burnout-Versicherung. Diese beinhaltet in ihren Leistungen verschiedene Möglichkeiten zur Burnout-Prävention, etwa durch ein online Angebot von Kursen und Webinare, sowie einem digitalen Gesundheitscoach. Um sich mental zu entlasten, gibt es zudem die Möglichkeit für eine 24/7 telefonische Beratung mit psychologischen Berater:innen. Falls es wirklich zu einem Burnout kommen sollte, so unterstützt dich die Versicherung bei der Vermittlung eines Therapeuten sowie zahlt die Therapie bei einer privaten Praxis. Berechne hier einfach deine individuelles Angebot.

Achtsam sein und Burnout an körperlichen Symptomen frühzeitig erkennen

Es ist noch kaum erforscht, wer unter welchen Umständen von einem Burnout betroffen sein kann. Allerdings sieht es so aus, als könne das Syndrom alle treffen. Es sind unterschiedliche Dinge, die bei Menschen Stress auslösen – vor allem solchen, der lange anhält.

Stellst du bei dir fest, dass der Stress dich langfristig im Griff hat, solltest du auf jeden Fall etwas dagegen unternehmen. Es bringt nichts, auf die Kolleg:innen zu schauen und dir einzureden, dass du keinen Stress empfinden darfst, nur weil es anderen besser geht. Gegenteilig ist es wichtig, dass du zunächst mit geeigneten Maßnahmen (Entspannungstechniken, verbesserter Schlafhygiene, Umstrukturierung etc.) deinem Alltagsstress entgegenzuwirken versuchst.

Spätestens, wenn du feststellst, dass körperliches Unwohlsein zu deinen Beschwerden dazukommt, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem du deinen Arzt oder deine Ärztin aufsuchen solltest. Wiederkehrende Kopfschmerzen kannst du nicht immer darauf schieben, dass du zu wenig getrunken hast und anhaltende Verdauungsbeschwerden nicht auf permanentes falsches Essen.

Erkläre bei der Untersuchung alle deine Beschwerden – nicht nur die körperlichen. Erzähle genau, seit wann du dich in einer Stresssituation befindest und wann welche körperlichen Symptome aufgetreten sind. Erfahrene Ärzt:innen werden in einem solchen Fall die Untersuchung auf einen möglichen Burnout hin ausdehnen. Zudem können sie abklären, ob deine körperlichen Beeinträchtigungen auf physische Ursachen zurückzuführen sind. Ist das ausgeschlossen und deuten deine Blutwerte auf erhöhten Stress hin, solltest du eine Behandlung in Betracht ziehen. Je früher das der Fall ist, desto schneller kann die Heilung vonstattengehen.

Häufige Fragen zum Thema Burnout

Wie äußert sich ein Burnout körperlich?

Es gibt eine ganze Reihe körperlicher Beschwerden, die im Zuge eines Burnouts auftreten können, aber nicht müssen. Zu ihnen zählen etwa Schwindel und Kopfschmerzen, Verspannungen in Nacken, Rücken und Kiefermuskulatur, Bluthochdruck, Atem- und Herzbeschwerden, Störungen des Verdauungstrakts, Tinnitus, Veränderungen der Mundschleimhaut, Schmerzen in der Muskulatur, starkes Schwitzen und Zyklusstörungen bei Frauen.

Kann man Burnout anhand der Blutwerte nachweisen?

Die Blutwerte können die Diagnose des Burnout-Syndroms auf jeden Fall unterstützen: Bei Dauerstress ist der Cortisolwert im Blut erhöht: Der Körper versetzt sich damit in die dauernde Bereitschaft für Kampf oder Flucht. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Leukozyten, was das Immunsystem schwächt. Wer dauerhaft an Stress leidet, ist daher anfälliger für Infektionen.

Wie fühlt man sich kurz vor dem Burnout?

Grundsätzlich können sich die Anzeichen von Person zu Person unterscheiden. Besonders häufig aber macht sich eine anhaltende Erschöpfung breit. Die Arbeit und andere Aufgaben des Alltags werden anstrengender, die Freude daran und die Leidenschaft dafür schwinden ganz und werden durch einen gewissen Zynismus ersetzt. Schließlich schwindet die Leistungsfähigkeit immer mehr und die Persönlichkeit wandelt sich stark. Anhaltende Müdigkeit, Überforderung und das Gefühl, nichts richtig machen zu können, bestimmen den Tag. Aufgaben werden zur Last, Sorge von nahestehenden Personen wird leicht als Kritik aufgefasst, was zu Abkapselung führt.

Auf welche Weise macht sich psychischer Stress bemerkbar?

Psychischer Stress sorgt für eine vermehrte Kortisolausschüttung und einen höheren Blutdruck: Der Körper ist in Alarmbereitschaft. Dauert dieser Zustand an, werden wir gereizt, unausgeglichen und unkonzentriert, schlafen schlecht und leiden an verschiedenen physischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Verspannungen, Tinnitus oder Zyklusstörungen. Erholsamer Schlaf ist so gut wie unmöglich, sodass dauernde Müdigkeit und Ausgebranntsein zum Alltag werden. Viele Leute führen diese physischen Beeinträchtigungen nicht auf den psychischen Stress zurück, dabei ist er meist der Auslöser.

Wie sieht der Zusammenbruch beim Burnout aus?

Nach einer Phase der Überforderung und des Leistungseinbruchs folgt der Rückzug: Besorgte Freunde und Familienmitglieder werden als feindlich betrachtet, die betroffene Person kapselt sich ab, distanziert sich komplett von der Arbeit und verliert schließlich die Wahrnehmung der eigenen Person. Darunter leidet auch das gesamte soziale Netz stark. Es können Phobien und Panikattacken auftreten, und die gesamte Situation kann in einer Depression enden – in körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung. Viele Betroffene finden kaum die Kraft, morgens aufzustehen.

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