Burnout: Was kann ich dem Arzt sagen? Tipps für das Gespräch

Das Burnout-Syndrom geht mit vielen unterschiedlichen Symptomen einher. Manchmal befürchten Betroffene eine andere Krankheit und leiden eigentlich an Burnout. Andersrum glauben manche von sich selbst, an Burnout erkrankt zu sein, haben aber eine ganz andere Erkrankung. Klarheit schafft nur der Gang zum Arzt oder zur Ärztin – die wichtigsten Infos dazu findest du im folgenden Artikel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Burnout – was dem Arzt sagen? So sprichst du das Thema am besten an
  2. Wie lautet die genaue Diagnose bei einem Burnout?
  3. Kann ich ein Burnout selbst erkennen?
  4. Zu welchem Arzt sollte man gehen, wenn man Burnout hat?
  5. Am Anfang des Burnouts kann die Diagnose schwierig sein
  6. Deshalb solltest du dir nicht selbst ein Burnout diagnostizieren
  7. Was passiert nach der Diagnose Burnout?
  8. FAQ: Arztbesuch bei Burnout-Verdacht

Burnout – was dem Arzt sagen? So sprichst du das Thema am besten an

Erst einmal ist sehr wichtig, überhaupt zum Arzt zu gehen. Viele Menschen, die sich erschöpft, ausgebrannt und nicht mehr leistungsfähig fühlen, trauen sich nicht zum Arzt. Das hat häufig folgende Gründe: Zum einen haben Betroffene Angst, mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen und bei einer Sprechstunde abgewiesen zu werden. Auf der anderen Seite ist das Eingeständnis, krank zu sein, für viele mit einer persönlichen Niederlage gleichgesetzt. Ganz nach dem Motto: Ich bin nicht stark genug. Dabei besteht die Stärke genau darin, sich einzugestehen, dass man überfordert und erschöpft ist. Erst, wenn das erkannt wird, kann den Betroffenen wirklich geholfen und die Symptome des Burnouts gelindert werden.

Im Gespräch mit dem Arzt ist es wichtig, offen über die Beschwerden zu sprechen. Am besten sagst du deinem Arzt genau, wie du dich fühlst und welche Beschwerden bei dir auftreten. Häufig zählen dazu Schlaflosigkeit, Nervosität und Erschöpfung, die sich auch durch Ruhephasen nicht lindern lassen. Erfahrene Ärzte werden schnell einen Zusammenhang zwischen den Symptomen und einem möglichen Burnout-Syndrom herstellen können. Oder aber eine andere Diagnose stellen. Gleichzeitig werden die Ärzte bei Verdacht auch andere körperliche Ursachen bzw. Krankheiten als Möglichkeit der Beschwerden in Betracht ziehen und diese mit entsprechenden Untersuchungen ausschließen. 

Wie lautet die genaue Diagnose bei einem Burnout?

Da Burnout lange Zeit weder klar definiert war, noch Kriterien zur Diagnose vorlagen, konnte Burnout im medizinischen Sinne nicht direkt diagnostiziert werden. Besteht der Verdacht auf Burnout, führen Ärzt:innen und Patient:innen ein ausführliches Gespräch, aus dem die Mediziner:innen eine mögliche Erkrankung am Burnout-Syndrom ableiten können. Teilweise nutzen Ärzt:innen verschiedene Fragebögen, die den Zustand des oder der Patient:in genauer einordnen. Wichtig hierbei ist, dass Burnout von einer Depression abzugrenzen ist, da die Therapiemaßnahmen sich hier unterscheiden. Bisher mussten Mediziner:innen bei Verdacht auf Burnout den ICD-Schlüssel Z73 verwenden. Dieser besagt, dass „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ bestehen. Die WHO hat jedoch mittlerweile Burnout besser spezifiziert unter dem ICD-11 als QD85. Hier wird Burnout als totaler Erschöpfungszustand nach langanhaltendem chronischen Stress im Arbeitsumfeld, der nicht verarbeitet wurde, beschrieben.

Info: Der Maslach Burnout Inventory Fragebogen wurde von der amerikanischen Sozialpsychologin Christina Maslach entwickelt und wird von vielen Mediziner:innen zur Diagnose von Burnout verwendet.

Kann ich ein Burnout selbst erkennen?

Das Burnout-Syndrom geht mit vielen verschiedenen Symptomen einher. Allen voran fühlen sich die Betroffenen völlig erschöpft und anhaltend müde. Die Freude im Berufsleben nimmt ab und damit auch die Leistungsfähigkeit. Hobbies werden ebenso vernachlässigt, wie Unternehmungen mit Freunden oder der Familie. Darüber hinaus klagen Betroffene häufig über Sinnverlust im beruflichen Kontext, aber auch der Alltag macht keinen Spaß mehr und frustriert. Des Weiteren können bei Burnout-Patient:innen auch körperliche Beschwerden auftreten, für die Mediziner:innen keine Ursachen ausmachen können. Dazu zählen beispielsweise Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Rückenschmerzen. 

Zu welchem Arzt sollte man gehen, wenn man Burnout hat?

Hat man bei sich selbst Symptome eines Burnouts festgestellt oder glaubt, unter diesem Syndrom zu leiden, sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Üblicherweise folgen Gespräche und körperliche Untersuchungen. Je nach Beschwerdebild wird der oder die Mediziner:in körperliche Ursachen für die Symptome ausschließen. Wiederholte Erschöpfungszustände und lang anhaltende Müdigkeit könnten beispielsweise auch auf eine Stoffwechselkrankheit oder einen Nährstoffmangel hinweisen und müssen nicht zwangsläufig zu einem Burnout gehören. Sollte sich der Hausarzt selbst unsicher sein oder eine Depression im Verdacht haben, können weitere Fachärzt:innen hinzugezogen werden. Dazu zählen beispielsweise Psychiater:innen oder Neurolog:innen.

Tipp: Für die Suche nach Therapeut:innen gibt es mittlerweile verschiedene Online-Plattformen wie z.B. therapie.de oder BetterHelp.

Eignet sich der Hausarzt bei Burnout?

Ebenso wie Psychiater:innen oder andere Fachärzt:innen kann auch der Hausarzt eine Krankschreibung ausstellen und die betroffene Person für einige Zeit von der Arbeit befreien. Meistens sind Krankschreibungen über ein paar Tage nicht genug, damit sich Burnout-Patient:innen vollständig erholen. In diesen Fällen findet üblicherweise eine Überweisung zu einer oder einem Psychiater:in bzw. Psychotherapeut:in statt. Für den ersten Schritt raus aus dem Burnout reicht also der Gang zum Hausarzt und danach entscheidet dieser erneut. Übrigens: Wenn du länger krankgeschrieben bist oder in deinen alten Beruf nicht zurückkehren kannst, profitierst du von den Leistungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die dir im Krankheitsfall eine finanzielle Stütze bietet.

Psychiater:in oder Psychotherapeut:in?

Du bist dir unsicher, ob dir ein:e Psychiater:in oder eine Psychotherapeut:in besser helfen kann? Der wichtigste Unterschied zwischen einem bzw. einer Psychiater:in und einem bzw. einer Psychotherapeut:in ist, dass ausschließlich der bzw. die Psychiater:in Medikamente verschreiben darf. Bei der Behandlung eines Burnout-Syndroms wird jedoch nur selten eine medikamentöse Therapie gewählt – in vielen Fällen ist es daher vermutlich sinnvoller, sich an eine:n Psychotherapeut:in zu wenden. Bitte im Zweifelsfall deinen behandelnden Arzt um Rat, gegebenenfalls kann er sogar eine Empfehlung aussprechen und/oder einen Kontakt vermitteln.

Am Anfang des Burnouts kann die Diagnose schwierig sein

Mittlerweile wird Burnout nicht mehr als Manager:innenkrankheit oder Modeerscheinung abgetan. Ärztinnen und Ärzte nehmen die Beschwerden der Betroffenen ernst und diagnostizieren richtig auf Burnout. Dazu ist aber auch die Offenheit der Betroffenen gegenüber den Ärzt:innen gefordert. Je besser und ehrlicher du deine Symptome beschreibst, desto besser kann ein:e Mediziner:in deine Situation deuten und einschätzen. Wer zum Arzt geht und lediglich von Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen berichtet, läuft Gefahr, nur medikamentös behandelt zu werden, was bei Burnout üblicherweise zu keiner Besserung der Gesamtbeschwerden führt. Auch wer sich unter Umständen dafür schämt, möglicherweise an Burnout erkrankt zu sein, sollte sich der Risiken bewusst sein. Das Burnout-Syndrom kann beinahe jeden treffen und ist kein Grund zur Scham. Wer frühzeitig zum Arzt geht und ein offenes Gespräch führt, hat gute Chancen darauf, richtig diagnostiziert und behandelt zu werden.

burnout symptome

Deshalb solltest du dir nicht selbst ein Burnout diagnostizieren

Menschen mit Beschwerden, die auf ein Burnout hindeuten, sollten sich zunächst an ihren Hausarzt wenden und möglichst ehrlich über die aktuelle Situation berichten. Möglicherweise ordnet der Hausarzt weitere Untersuchungen an, um andere Ursachen für die vorliegenden Beschwerden auszuschließen. Einige Menschen neigen dazu, sich ein Burnout selbst zu diagnostizieren, beispielsweise mithilfe von online zur Verfügung gestellten Selbsttests. Sollte wirklich der Verdacht auf ein Burnout-Syndrom bestehen, ist eine Selbstdiagnose nur wenig hilfreich. Bei einer falschen Selbstdiagnose kann es zudem sein, dass Patient:innen die falsche Therapieform für sich wählen. Ein Beispiel: Während ein Burnout-Syndrom Erholung erfordert, ist bei einer Depression hingegen leichte Aktivierung hilfreich. Besser ist es auf jeden Fall, eine:n Mediziner:in aufzusuchen und von den Beschwerden zu berichten.

Wichtig zu wissen: An Burnout zu erkranken ist keine Schande. Statistisch gesehen nimmt die Zahl der Betroffenen jedes Jahr zu. Angst um deinen Arbeitsplatz musst du wegen einer Burnout-Krankschreibung nicht haben. Du bist nämlich nicht dazu verpflichtet, deinem oder deiner Arbeitgeber:in Auskunft darüber zu geben, warum du krank bist.

Was passiert nach der Diagnose Burnout?

Wer eine Krankschreibung aufgrund von Burnout erhält, muss diese dem oder der Arbeitgeber:in vorlegen. Allerdings ist hier nur über den Arbeitsausfall zu informieren und nicht darüber, dass du Burnout hast. Viele Menschen neigen dazu, die Zeit, in der sie krankgeschrieben sind, einfach nur zu Hause zu verbringen. Tatsächlich ist es aber sinnvoll, sich darüber zu informieren, welche Therapieangebote man in Anspruch nehmen kann. In vielen Fällen, wenn die Burnout Symptome noch nicht zu weit fortgeschritten sind, helfen bereits wenige Gespräche mit einem oder einer Psycholog:in. Haben Betroffene bereits sehr starke Beschwerden können stationäre Aufenthalte in speziellen Kliniken oder auch Verhaltenstherapien nötig werden. 

Spezielle Therapieangebote helfen bei Burnout weiter

Die Einsicht erkrankt zu sein, so wie der Wille, daran zu arbeiten, bestimmen maßgeblich den Therapieerfolg. Beispielsweise erlernen Betroffene Strategien zur Stressbewältigung oder wie sie sich selbst und ihre Gefühle besser wahrnehmen. Das kann dazu beitragen, in Zukunft schon bevor Burnout Symptome auftreten, präventiv die Notbremse zu ziehen und nicht erneut in den Burnout Teufelskreis zu geraten. 

Viele an Burnout Erkrankte sind nach einer Therapie oder längeren Ruhephasen wieder fit und können an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Allerdings kommt es auch vor, dass Betroffene ihr Arbeitsumfeld wechseln, da sie dort die Ursachen für ihre Erkrankungen erkannt haben und diese nur durch einen Jobwechsel umgehen können.

FAQ: Arztbesuch bei Burnout-Verdacht

Burnout, was soll ich dem Arzt sagen?

Solltest du den Verdacht haben, an Burnout zu leiden, ist es ratsam, dies deinem Arzt oder deiner Ärztin offen mitzuteilen. Dadurch können die Mediziner:innen direkt in diese Richtung nach Ursachen suchen. Ansonsten solltest du dich trauen, möglichst ehrlich von deinen Beschwerden zu berichten, damit die Mediziner:innen schnell eine korrekte Diagnose stellen. 

Kann der Hausarzt Burnout feststellen?

Über Gespräche, den Ausschluss von anderen Ursachen (z.B. inneren Erkrankungen), sowie denen von dir angegebenen Symptome kann der Hausarzt ein Burnout bei dir feststellen. 

Kann der Arzt sich weigern, mich krankzuschreiben?

Grundsätzlich können sich Mediziner:Innen immer weigern, eine:n Patient:in krankzuschreiben, und zwar immer dann, wenn diese der Meinung sind, dass keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Solltest du der Meinung sein, dass der oder die von dir aufgesuchte Arzt oder Ärztin deine aktuelle Lage nicht richtig einschätzt, kannst du dich auch direkt an eine:n Therapeut:in oder eine:n andere:n Mediziner:in wenden.

Wer schreibt überhaupt bei Burnout krank?

Dein Hausarzt und Fachärzt:innen wie Psychiater:Innen oder Neurolog:Innen dürfen dich wegen eines Burnouts krankschreiben. Befindest du dich in therapeutischer Behandlung, beachte bitte, dass dich ein:e Psychologe:in nicht krankschreiben darf. 

Werde ich nach einem Burnout wieder gesund?

Wer die Stressfaktoren in seinem Berufsleben reduzieren kann, Strategien zur Bewältigung von Stress und Belastungen erlernt und achtsamer mit sich umgeht, hat gute Chancen nach einem Burnout-Syndrom wieder vollständig fit zu werden. In einigen Fällen hilft bei manchen Betroffenen auch der Wechsel der Arbeitsstelle.

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